{"id":874,"date":"2024-11-11T14:44:37","date_gmt":"2024-11-11T13:44:37","guid":{"rendered":"https:\/\/gaia-initiative.org\/?p=874"},"modified":"2024-11-11T14:48:43","modified_gmt":"2024-11-11T13:48:43","slug":"zaehlen-mit-allen-sinnen-loewen-call-up-survey-im-etosha-nationalpark-in-namibia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/zaehlen-mit-allen-sinnen-loewen-call-up-survey-im-etosha-nationalpark-in-namibia\/","title":{"rendered":"Z\u00e4hlen mit allen Sinnen: L\u00f6wen call-up survey im Etosha-Nationalpark in Namibia"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Ortwin Aschenborn ist der Tierarzt im GAIA-Konsortium und kann auf eine langj\u00e4hrige Erfahrung im Management der L\u00f6wenrudel im Etosha-Nationalpark in Namibia zur\u00fcckblicken. In seiner Zeit als leitender Tierarzt des Parks wurde 2010 die erste gro\u00dffl\u00e4chige Z\u00e4hlung der L\u00f6wen durchgef\u00fchrt. Mittlerweile erforscht er in GAIA die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge zwischen Raubtieren, Aasfressern und Beutetieren in der Savanne und entwickelt Systeme, mit denen aus Daten \u00fcber Raubtiere und Aasfresser Informationen \u00fcber den Zustand der \u00d6kosysteme werden. Gemeinsam mit dem Zoo Berlin f\u00fchrt er derzeit ein Forschungsprojekt zur L\u00f6wenpopulation im Etosha-Nationalpark durch. Eine zentrale Rolle dabei spielen moderne Tiersender und K\u00fcnstliche Intelligenz, die eine Schnittstelle zwischen den Tieren und der Wissenschaft bildet und das Wissen von L\u00f6wen, Hy\u00e4nen oder Geiern f\u00fcr die Menschen nutzbar macht. Doch zur\u00fcck zu den L\u00f6wen \u2013 wie viele es davon in Etosha gibt und warum man sie am besten nachts und mit Lautsprechern und W\u00e4rmebildkameras sucht und z\u00e4hlt, berichtet Aschenborn in vier Fragen und Antworten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie funktioniert ein <em>call-up survey<\/em> von Raubtieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Vorgehen ist eigentlich recht einfach. Wir machen uns zunutze, dass alle Raubtiere vor allem nachts auf Nahrungssuche sind und dabei besonders auf ihr Geh\u00f6r vertrauen, um Beute zu finden. Auf einen Gel\u00e4ndewagen werden Lautsprecher montiert, \u00fcber die wir Rufe eines verletzten oder ver\u00e4ngstigten Gnus oder eines anderen Beutetieres abspielen. Das machen wir jeweils circa eine Stunde lang, in verschiedene Richtungen. Alle T\u00fcpfelhy\u00e4nen, Schakale, L\u00f6wen oder Leoparden im Umkreis von ungef\u00e4hr drei Kilometern kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Quelle der Laute und wir k\u00f6nnen sie mit den W\u00e4rmebildkameras sehen, identifizieren und z\u00e4hlen. \u00dcber einen Zeitraum von gut einer Woche und mit mehreren Teams kann man eine gro\u00dfe Fl\u00e4che abdecken. Im Greater Etosha Carnivore Program waren neben dem Leibniz-IZW beispielsweise auch die Universit\u00e4t Ljubljana, das Ongava Research Centre und Parkangestellte sowie das Etosha Ecological Institute an der j\u00fcngsten Z\u00e4hlung im Park beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie schl\u00e4gt sich die Methode im Vergleich mit anderen Z\u00e4hlmethoden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen\u00fcber anderen Methoden wie dem Besendern von Tieren oder systematischen Erfassungen mit Wildtierkameras, wie sie das Leibniz-IZW beispielsweise an Markierungsb\u00e4umen von Geparden in ganz Namibia regelm\u00e4\u00dfig durchf\u00fchrt, ist ein call-up survey etwas weniger genau. Manche Individuen lassen sich gerade nicht blicken, etwa weil sie zuf\u00e4llig gerade echte Beute gemacht haben oder sich in Gegenwart eines L\u00f6wen eher Abstand halten. Weibliche Tiere mit Nachwuchs halten sich auch etwas st\u00e4rker zur\u00fcck und bleiben auf Abstand. Und andere sind sehr mobil und lassen sich in mehreren N\u00e4chten vielleicht an unterschiedlichen Orten blicken. Doch das call-up ist eine sehr einfache, g\u00fcnstige und daher in gro\u00dfer Fl\u00e4che durchf\u00fchrbare Methode, mit der wir eine Hausnummer der Raubtierbest\u00e4nde erhalten, die wir recht gut interpretieren und mit vergangenen surveys vergleichen k\u00f6nnen. In Etosha haben wir eine L\u00f6wenz\u00e4hlung auf diese Weise 2010 und 2016 durchgef\u00fchrt und sehen nun langfristige Bestandstrends, was sehr wertvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GAIA stattet auch L\u00f6wen in Etosha mit Sendehalsb\u00e4ndern aus und entwickelt eine K\u00fcnstliche Intelligenz, die Verhaltensmuster automatisch erkennen kann. Wie passt das mit dem call-up survey zusammen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt unterschiedliche Ans\u00e4tze, eine Wildtierpopulation zu monitoren und zu erforschen. Eine call-up survey ist g\u00fcnstig und gro\u00dffl\u00e4chig einsetzbar; Besenderungen von einzelnen Tieren in Rudeln und Analyse der Bewegungsdaten hingegen geben sehr genaue Einblicke \u00fcber kleinr\u00e4umiges Verhalten du die Bestandsdichte der Tiere. Wir haben viele Rudel im Etosha-Park am Sender und kennen diese Rudel daher sehr genau. Ich sehe das als perfekte Erg\u00e4nzung zu der call-up survey an, da wir auf diese Weise f\u00fcr einige kleine Gebiete nachpr\u00fcfen k\u00f6nnen, wie akkurat die gro\u00dffl\u00e4chig eingesetzte Methode ist.<br>Grunds\u00e4tzlich ist aber mit Sendehalsb\u00e4ndern und KI noch erheblich mehr m\u00f6glich als Bestandsdichteerhebungen und daran sind wir wissenschaftlich sehr interessiert. In Zusammenarbeit mit dem Zoo Berlin entwickeln wir daher KI-Algorithmen, die bestimmte Verhaltensweisen von L\u00f6wen aus den Bewegungsdaten der Sender ableiten k\u00f6nnen. Eventuell wird es sogar m\u00f6glich sein, das Br\u00fcllen in den Daten zu sehen, weil dies feine Signaturen in den Bewegungen der Halsb\u00e4nder hinterl\u00e4sst. Auf diese Weise lassen sich dann innerartliche Kommunikation und Verhalten von L\u00f6wen auf aufregende neue Weise erforschen, was unser Wissen um diese \u00f6kologisch und kulturell unsch\u00e4tzbar wertvollen Raubtiere erweitern kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie geht es denn den L\u00f6wen im Etosha-Nationalpark? K\u00f6nnen wir guter Dinge sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse der aktuellen survey haben wir noch nicht, das befindet sich noch in Auswertung. Aber \u00fcber die Jahre kann man schon gewisse Trends erkennen, denn wir haben call-up surveys bereits 2010 und 2016 durchgef\u00fchrt: Im Park nimmt die Zahl der L\u00f6wen offenbar leicht ab und die der Hy\u00e4nen zu. Derzeit sch\u00e4tzt man, dass zwischen 400 und 600 L\u00f6wen im Park leben. Damit geht es ihnen lokal verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut, aber global gesehen muss man schon auch mit Sorge auf den L\u00f6wen schauen. In 90% seines nat\u00fcrlichen Verbreitungsgebietes ist er ausgerottet und die Gesamtzahl von gut 20.000 L\u00f6wen weltweit ist auch immer noch abnehmend. Die IUCN listet die Art als \u201egef\u00e4hrdet\u201c und vor allem das hohe Konfliktpotenzial mit Menschen hat ihn aus bewohnten oder genutzten Gebieten konsequent verdr\u00e4ngt. In gro\u00dfen Schutzgebieten kann er recht gut \u00fcberleben, aber guter Dinge w\u00e4re mir eine zu positive Formulierung. Wir sollten wachsam sein, die Best\u00e4nde kontinuierlich im Blick haben, ein breites Spektrum an Methoden zur Erforschung der L\u00f6wen nutzen und vor allem an Rezepten f\u00fcr Konfliktminderung und Koexistenz arbeiten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie z\u00e4hlt man Raubtiere in der Weite Afrikas? Eine Antwort lautet: in der Nacht und mit W\u00e4rmebildkameras und Lautsprechern! Die GAIA-Initiative hat diese Methode k\u00fcrzlich mit Partnern des Greater Etosha Carnivore Program im Etosha-Nationalpark eingesetzt. Die Daten werden einen aktuellen Einblick in die Best\u00e4nde der L\u00f6wen im Park geben und helfen, Konfliktstellen zu identifizieren und Schutzma\u00dfnahmen zu verbessern.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":859,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[88,87],"tags":[57,58,63,73],"class_list":["post-874","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeine-news","category-aus-dem-feld","tag-lion-populations-in-southern-africa-2","tag-research-on-lions-in-etosha-national-park-2","tag-artificial-intelligence-for-behaviour-detection-2","tag-intraspecific-communication-of-lions-2"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=874"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/874\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":876,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/874\/revisions\/876"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/859"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gaia-initiative.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}